Meine Tapas

Veröffentlicht auf von Jessica Haß

Das Tapas Essen gehört in Spanien zum täglichen Leben. Diese Tatsache schlägt sich auch in der Sprache nieder. Mit dem Wort "tapear" gibt es sogar ein eigenes Verb für den Verzehr der kleinen Spezialitäten. Tapas sind kleine Appetithäppchen, die man an in Spanien an fast jeder Ecke bekommt. Es finden sich Tausende von Tapas-Rezepten, die sich regional sehr stark unterscheiden. Die Klassiker Patatas Bravas (Kartoffelecken in einer sehr scharfen Soße) und Tortilla Espanola (ein Omelette mit Kartoffeln) gibt es eigentlich immer. Eine Spezialität von Burgos stellt die Morcilla de Burgos dar, die berühmte Blutwurst. Da Martin keine Wurst mag, und schon gar keine Blutwurst, und ich nun bekanntlich gar kein Fleisch esse, kann ich hier leider keine kulinarische Kritik abgeben.

Das Wort Tapa heißt ursprünglich Deckel.  Entsprechend sollen Tapas auch aus dem Brauch entstanden sein, sein Bierglas mit einem Deckel abzudecken und darauf kleine Snacks zu servieren. Tatsächlich liegt der Grund für den Tapas-Verzehr aber im spanischen Tages-Rhythmus. Im Großteil von Spanien ist es sehr heiß (außer natürlich in Burgos...). In der Mittagshitze wird darum keine große Mahlzeit zu sich genommen. Morgens vor der Arbeit trinken Spanier oft nur einen Kaffee, ein Bocadillo (belegtes Brötchen/Sandwich) gibt es dann am Vormittag. Gegen 14 Uhr essen die Spanier dann gern eine Kleinigkeit, um die Zeit bis zum richtigen Abendessen zu überbrücken, das oft erst gegen 22, 23 Uhr oder noch später eingenommen wird. Wenn es draußen etwas kühler ist, liegt das Essen nicht so schwer im Magen. Und für die Zeit dazwischen gibt es eben Tapas. Spanier essen auch meist auswärts. Egal, wie die finanzielle Situation eines Spaniers aussieht (über die man übrigens keinesfalls spricht - Tabuthema!): Er ist bereit, für Essen und Ausgehen Einiges auszugeben. Tapas sind aber auch nicht sehr teuer. Ein kleines Stück Tortilla bekommt man schon für 1,50 bis 2,00 Euro. Wenn man zu mehreren Tapas essen geht, ist es üblich, viele verschiedene Tapas zu bestellen, von denen dann jeder alles probieren darf (ein Traum für all die Frauen, die sich nie entscheiden können, was sie essen wollen...).

Hinsetzen ist in Tapasbars eher unüblich. Meist stellt man sich zum Essen und Trinken (denn zu Tapas gehört natürlich auch noch eine cerveza - Bier - oder vino - Wein) einfach an die Bar. Als ich hier die ersten Male in Tapas-Bars war, war ich etwas irritiert. Auf den ersten Blick wirkt alles ziemlich dreckig. Auf dem Boden liegen benutzte Servietten und der ein oder andere ausgespuckte Olivenkern. Mittlerweile habe ich aber herausgefunden, dass man das hier so macht: Der Dreck darf einfach auf den Boden geschmissen werden und alle halbe Stunde fegt einer der Kellner durch. Dieses Wissen hat meine Irritation zwar gesenkt, aber diesen Brauch mitzumachen, ziert sich meine deutsche Seele noch... ;-)

Die beiden ersten Fotos stammen von unserem Besuch in der Tapas-Bar La Mejillonera. Die Patatas Bravas dort sind sehr beliebt und werden nicht nur mit der scharfen roten Soße, sondern auch noch mit Aioli (falls es wer nicht weiß - eine typische Knoblauchsoße, kriegt man auch in Deutschland) serviert. Außerdem haben sie viele Tapas mit Meeresfrüchten.

Kurzerhand haben wir dann ein paar Tage später bei uns zu Hause eine kleine Tapas-Party geschmissen. Leider waren wir nur sechs Deutsche (Julia, Julia Maria, Mirjam, Sarah, Martin und ich), da die drei Erasmus-Französinnen, die wir eingeladen hatten, eine Stunde vorher abgesagt haben.

Unser Speiseplan: Patatas Bravas, Tortilla Espanola, Melón con Jamón (Honigmelone mit Serrano-Schinken), Bruschetta, Oliven, selbst gemachte Aioli und eingelegte Gambas (Krabben) und Zwiebelringe im Teigmantel, dazu Weißwein und Cidre. Jetzt geb ich Euch noch ein paar von unseren Rezepten zum Nachkochen, aber erwartet bitte keine Mengenangaben, das geht bei mir alles nach Gefühl (müsst Ihr dann eben selbst rausfinden *lol*).

Patatas Bravas


Für die Soße:

Zwiebeln und Knoblauch (großzügig)
Minimum zwei große Chilischoten
Dosentomaten oder frische, gehäutete und gewürfelte Tomaten
Ein Schuss Weißwein und ein Schuss Zitronensaft
Gewürze: Pfeffer (großzügig), Chili, Oregano, Basilikum, Paprika, Salz

Einfach Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl braten, dann die gehackten Chilischoten kurz mitbraten und den Rest rein zum Aufkochen. Schmeckt gut, es gibt Zeugen! ;-) Wenn man frische Tomaten nimmt, muss man die natürlich ne ganze Weile länger köcheln lassen.

Die Kartoffeln:

Einige Liebhaber behaupten ja, man müsse sie roh in die Pfanne schmeißen, aber ich habe sie etwas vorgekocht. Durch dürfen sie allerding noch nicht sein. Die Kartoffeln vorher gut abschrubben, die Schale bleibt nämlich dran. Die Kartoffeln klein würfeln, in Olivenöl braten, salzen, pfeffern und am Ende mit etwas Kümmel bestreuen, fertig. Nur noch die Soße rübergießen und auf Wunsch noch etwas Aioli.

In den Tapas-Bars werden übrigens zum Teil statt richtiger Kartoffeln fritierte Kartoffelecken (à la Country Potatoes) genommen. Sind aber nicht die echten Bravas!

Bruschetta

Sind zwar genau genommen italienisch und man bekommt sie auch nicht in Tapas-Bars. Aber da es keine allgemeine Regel gibt, was Tapas nun sind, und es sich um kleine Snacks handelt, hier das Rezept.

Viel Knoblauch und viele Zwiebeln winzigklein hacken, dann noch viel mehr Tomaten winzigklein hacken und dazugeben. Idealerweise neben einigen Trockengewürzen (Pfeffer, Salz, Oregano) frischen Basilikum hinzufügen, aber den gibt es hier bei uns leider nicht. Dann den Salat mit Olivenöl auffüllen und möglichst einige Stunden abgedeckt ziehen lassen (aber nicht im Kühlschrank). Später werden dann nur noch Weißbrotscheiben im Ofen geröstet und danach mit dem Tomatensalat belegt.

Tortilla Espanola

Funktioniert genauso wie jedes beliebige Omelette, mit einer Ausnahme: Neben dem Ei kommen jede Menge (vorgekochte) gewürfelte Kartoffelstücke hinein. Ob mit oder ohne Zwiebeln, darüber scheiden sich die Geister. Man kann hier in jedem Supermarkt auch fertige Tortilla Espanola kaufen, eine Version mit und eine ohne Zwiebeln (gibt es übrigens auch manchmal in Deutschland bei LIDL - unbedingt mal kaufen, das ist sehr lecker!). Das kommt mir sehr gelegen, da die Tortilla bei mir nie Tortilla, sondern Bratkartoffeln mit Rührei wird. An unserem Tapas-Abend hatten wir aber Selbstgemachte, die lag nur zum Glück nicht in meinem Verantwortungsbereich... Mirjam und Julia Maria haben sich von ihrer spanischen Mitbewohnerin ein wenig zur Hand gehen lassen und müssen im Gegenzug nun für deren Sohn was "typisch Deutsches" zaubern. Wir haben uns hier vielleicht den Kopf zerbrochen, was "typisch deutsch" ist! Eigentlich ist uns nur Sauerkraut eingefallen, aber erstens ist das hier wahrscheinlich nicht zu kriegen und zweitens mochten wir das auch alle nicht, als wir acht Jahre alt waren. Jetzt machen sie ihm Kartoffelpuffer (Reibekuchen sagt man wohl bei unseren Ruhrpöttlern). Nicht, dass einer von uns ein gutes Rezept dafür parat gehabt hätte, aber dafür gibt es ja die Muttis zu Hause. Tja, da sieht man wieder, was für ein Verhältnis wir jungen Spunde zu unserem Land haben: gar keins.

Zwiebelringe im Teigmantel

Eier, Mehl und Gewürze (Salz, Pfeffer, Basilikum, Oregano, Kräuter der Provence) zu einem Teig mischen, schöne große Zwiebelringe hineintunken und dann in Olivenöl fritieren. Fertig! Kann man auch sehr gut kalt essen und in Aioli dippen.

Soviel zu unseren Tapas. Wird bei Gelegenheit ergänzt. Paella haben wir hier noch gar nicht gemacht, aber wir haben ja seit heute einen Spanier in der Wohnung (Alberto, der aus Salamanca kommt, übrigens sehr nett ist und sehr jung - süße 18 erst). Der wird uns vielleicht ein tolles Paella-Rezept beibringen können.
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Veröffentlicht in Gastronomie-Kulinarisches

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M
Hey bin gerade zurück aus Spanien -das erste mal Festland- und hab mal zeit bei dir zu lesen. bei uns gab es auch schön tapas und die selbstgemachten tortillas von den einheimischen waren deutlich besser als die der tapasbars.<br /> wirklich schön wars. wünsch dir ne schöne zeit.
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S
Mir laueft das Wasser im Mund zusammen.. ich kann leider nichts dergleichen von brittischen Essen berichten. Fish & Chips ist nicht mein Ding :-D Aber ich glaube ich werde mal was von deinen Gerichten hier in der Kueche ausprobieren :-)
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R
hmmm lecker, werde ich alles ausprobieren. Ich liebe das spanische Essen. Sehr schöne Fotoaufnahmen obendrein
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