Mein Salamanca

Veröffentlicht auf von Jessica Haß

Vom 29.-30. November haben wir einen Abstecher nach Salamanca unternommen. Salamanca gehört genau wie Burgos zu Kastilien-León und liegt nur wenige Kilometer von der portugiesischen Grenze entfernt.
Da unser Mitbewohner Alberto aus der Gegend um Salamanca stammt, hatte ich schon einiges über die Stadt gehört, vor allem, dass sie im Ruf steht, sehr schön zu sein und außerdem von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkoren worden ist.
Am Samstag Früh ging es los. Wir waren diesmal eine größere Truppe von 13 Leuten aus 4 verschiedenen Nationen. Martin konnte leider nicht dabei sein, weil er zu Hause bleiben wollte, um mit seiner Diplom-Kartierung voranzukommen.
Wir hatten uns bei Europcar drei Kleinwagen gemietet. Wir saßen als einzige zu fünft im Auto, nur deutsche Insassen. Das lag vor allem in der Person Phillips, unseres Fahrers begründet, den wir Mädels uns gleich reserviert hatten. Rein gefühlsmäßig trauten wir Philipp am ehesten zu, uns heil ans Ziel zu bringen. Zurecht, wie sich herausstellen sollte. Heil sind wir zwar alle geblieben, aber den Fahrstil der Anderen fand ich recht beunruhigend. Fahrer Burak wartete noch auf einen Mitfahrer, weswegen wir ihm anboten, langsam über die Autobahn zu trudeln und so auf ihn zu warten, für den Fall, dass er den Weg nicht kenne. Gesagt, getan. Als Burak dann da war, zog er allerdings im Affenzahn an uns vorbei, mit über 200 km/h. Entsprechend früh war sein Auto dann auch in Salamanca. Als wir nach zweieinhalb Stunden endlich am Hostal ankamen, tummelte sich die Burak-Truppe schon längst an der Plaza Mayor. Abends wurde ich zum Einkaufen mit Buraks Autotruppe abkommandiert. Da durfte ich dann persönlich seine 100 km/h in der Innenstadt genießen...

Die Geschichte von Salamanca lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. 133 v. Chr. wurde sie von den Römern gegründet und zu einem wichtigen Handelszentrum. Salamanca hat in der Tat eine sehr schöne Innenstadt. Besonders sehenswert sind die alte (12. Jh.) und neue (16. Jh.) Kathedrale, die mit Pilgermuscheln verzierte Casa de las Conchas und die Universität. Schon bevor ich das Portal der Uni gesehen hatte, stellte ich fest, wie wichtig der Frosch an der Fassade als Makottchen für Salamanca ist. In den Souvenirläden blickten mich zahlreiche putzige Froschfiguren an. Am über und über mit Ornamenten geschmückten Haupteingang der Universität thront auf einem der Totenschädel nämlich der berühmte kleine Frosch. Laut Wikipedia symbolisiert er die Ausschweifungen im Leben, die nach dem Tod gesühnt werden - eine Mahnung an die lebenslustigen Studenten. Hört, hört! Es dauerte allerdings eine halbe Stunde, bis wir den Frosch endlich am Tor entdeckten. Er ist winzigklein. Entsprechend ist das Foto hier auch nicht von mir, sondern aus dem Internet. Schlecht, wenn man keinen Zoom am Fotoapparat hat... Von besonderem Interesse an der Geschichte Salamancas ist vielleicht noch, dass Kolumbus hier 1492 einige Monate vor seiner Abreise seine Theorien einem kritischen Publikum erläutern musste. Insgesamt hat mir Salamanca zwar gut gefallen, aber ich muss gestehen, dass ich mir noch etwas mehr erwartet hatte. Besonders die Atmosphäre fand ich sehr touristisch geprägt. Auch die so angepriesene Plaza Mayor war wirklich hübsch, aber das war es dann auch. Darüber hinaus war es bitterkalt. Auf dem Außenthermometer wurden zwar 4°C angezeigt, aber durch den starken Wind waren es gefühlte -10°C.

Am nächsten Tag brachen wir direkt nach dem Frühstück auf, weil wir Salamanca bereits am Vortag recht erschöpfend erkundet hatten. So machten wir lieber noch in Valladolid halt. Während sich 9 von uns das Fußballspiel Valladolid-Mallorca ansahen (Primera División - immerhin, aber 30 Euro Eintritt waren mir doch etwas zu happig), wollten Mirjam, Domenica, Sarah und ich die Stadt erkunden. Da das Stadion etwas außerhalb gelegen ist, hatte Dieter (Fahrer Nummer 3) die Aufgabe, uns vor dem Spiel mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Leider wurde daraus nichts, weil Dieter den Weg nicht fand. Zugegeben: Die Ausschilderungen waren etwas merkwürdig. Fast eine Dreiviertelstunde fuhren wir umher und landeten schließlich wieder auf der Autobahn. Dieters Fahrstil war leider noch beängstigender als Buraks. Die Autobahn um die Stadt herum ist sehr kurvenreich, aber Dieter (der das Spiel natürlich nicht verpassen wollte) fuhr diese mit ca. 180 km/h entlang. Dabei klingelte dann noch das Handy (und man geht natürlich ran) und er suchte nebenbei noch etwas im Auto. Vor diesem Wochenende war ich kein ängstlicher Beifahrer, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mehr zu jemandem ins Auto steigen werde, von dem ich nicht weiß, wie er fährt.. Egal, wir leben alle noch. Immerhin hat sich Philipps konstanter Fahrstil auch noch finanziell gut für uns ausgezahlt. Die anderen beiden Fahrzeuge hatten das Doppelte an Benzinkosten verursacht von dem, was wir zahlen mussten.

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