Meine Relativität
Nun muss ich doch mal ein paar Worte zur Kultur loswerden. So ganz im Allgemeinen. Und so banal sich das anhören mag: Was ist denn Kultur überhaupt? Ich las vor kurzem, dass in einem zusammenfassenden Aufsatz zum Kulturbegriff durchaus mal über 200 wissenschaftliche Definitionen zusammengetragen wurden. Kultur ist etwas, was sich nur schwer fassen lässt, wie eine Sphäre, die uns umgibt, unsere Sozialisation, unsere Bewertungsmesslatte sozusagen. All das Soziale, womit wir seit unserer Geburt von unserer Umgebung geimpft wurden. Hofstede (der Gott der interkulturellen Forschung) nennt das "collective programming of the mind". Den Kern unserer Kultur bildet unser Wertesystem, aber an der Oberfläche wirkt sich das in Normen aus wie zum Beispiel in der Art, jemanden zu begrüßen oder zu verabschieden.
Wenn wir uns in ein anderes Land und damit in einen anderen Kulturraum als den eigenen begeben, kommt uns einiges fremd vor. Wenn es nur eine kurze Stippvisite ist, vielleicht unser Sommerurlaub, sehen wir nur ganz wenig davon und finden das möglicherweise aufregend und exotisch. Leben wir aber länger als ein paar Tage in einem anderen Land, verunsichert uns das möglicherweise, weil wir nach einer Weile merken, dass hier ganz andere Bewertungsgrundlagen gelten. Möglicherweise ist unser Verhalten, zu dem wir von Geburt an in unserer Heimat erzogen wurden, weniger sozial erfolgreich. Es kommt dann zum Kultur-Schock. Es ist gut, wenn es dazu kommt: Es bedeutet, dass wir, nachdem wir die seit unserer Geburt erlernten Wahrheiten immer für die einzigen gehalten haben, erkannt haben, dass es überhaupt keine Wahrheiten gibt und jeglicher Wert oder kulturelle Norm relativ ist. Und das tut natürlich etwas weh.
Die Alternative ist, dass wir die ganze Zeit unser eigenes (kulturell geprägtes) Bewertungssystem ansetzen, um das Verhalten von Mitgliedern der anderen Kultur zu beurteilen und nicht einmal versuchen, unsere Perspektive zu ändern. Ein gewisser Ethnozentrismus ist durchaus normal. Schließlich hat uns unsere Kultur von Kindesbeinen an begleitet und macht einen großen Teil dessen aus, was wir sind. Es ist nicht so leicht, da mal rauszuschlüpfen. Wenn wir es aber nicht tun, können wir Menschen anderer Kulturen niemals verstehen und uns entgeht eine ganze Menge. Im Prinzip gehört nur eine gewisse Sensibilität dazu und Offenheit für andere, sowie das Bewusstsein über die kulturelle Verschiedenheit. Ich habe mich vor kurzem mit eigenen meiner deutschen Kommilitonen hier vor Ort unterhalten und war erschrocken, wie wenig sie sich der Tatsache bewusst waren, sich hier in einer anderen Kultur zu bewegen. Das Problem ist, dass Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien auf den ersten Blick weniger ins Auge fallen als zwischen... sagen wir Deutschland und China. Oberflächlich gesehen erscheinen uns die kulturellen Unterschiede in Europa vielleicht eher nebensächlich. Das verleitet noch mehr dazu, alles, was man sieht, durch seine kulturelle Brille zu sehen. Ein gängiges Stereotyp über Spanier ist, dass sie faul seien und sich eher für Fiesta als für die Arbeit interessieren würden. In einem meiner hiesigen Seminare mussten wir alle eine Präsentation halten. Obwohl der Professor uns nach jeder Präsentation um Anmerkungen oder Fragen zum Vortrag bat, meldete sich nie einer meiner spanischen Kommilitonen zu Wort. Wäre ich mit der oben beschriebenen Grundhaltung in das Seminar gegangen, hätte ich dieses Verhalten für Desinteresse gehalten. In einer deutschen Vorlesung wäre der Vortrag bereits dreimal gründlich durchdiskutiert worden. Der springende Punkt jedoch ist, dass Spanier keineswegs faul oder desinteressiert sind. Vielmehr ist es in Spanien sehr wichtig, Gesicht zu wahren und Gesicht zu geben. Man kritisiert nicht offen, schon gar nicht einen Vortrag vor versammelter Mannschaft. Das ist in Deutschland normal, in Spanien gehört es sich nicht. Wenn man solche Dinge nicht weiß und vor allem nicht einmal in Erwägung zieht, sondern gleich nach seinen eigenen Maßstäben bewertet, ist klar, dass einem Unterschiede vielleicht auch gar nicht erst auffallen, wie meinen deutschen Kommilitonen. Ich finde es schade, zu wissen, dass unsere zukünftigen Lehrer (denn es waren allesamt Lehramtsstudenten) wahrscheinlich nicht in der Lage sein werden, unseren Kindern ein Bewusstsein für verschiedene Perspektiven mitzugeben.
Wenn wir uns in ein anderes Land und damit in einen anderen Kulturraum als den eigenen begeben, kommt uns einiges fremd vor. Wenn es nur eine kurze Stippvisite ist, vielleicht unser Sommerurlaub, sehen wir nur ganz wenig davon und finden das möglicherweise aufregend und exotisch. Leben wir aber länger als ein paar Tage in einem anderen Land, verunsichert uns das möglicherweise, weil wir nach einer Weile merken, dass hier ganz andere Bewertungsgrundlagen gelten. Möglicherweise ist unser Verhalten, zu dem wir von Geburt an in unserer Heimat erzogen wurden, weniger sozial erfolgreich. Es kommt dann zum Kultur-Schock. Es ist gut, wenn es dazu kommt: Es bedeutet, dass wir, nachdem wir die seit unserer Geburt erlernten Wahrheiten immer für die einzigen gehalten haben, erkannt haben, dass es überhaupt keine Wahrheiten gibt und jeglicher Wert oder kulturelle Norm relativ ist. Und das tut natürlich etwas weh.
Die Alternative ist, dass wir die ganze Zeit unser eigenes (kulturell geprägtes) Bewertungssystem ansetzen, um das Verhalten von Mitgliedern der anderen Kultur zu beurteilen und nicht einmal versuchen, unsere Perspektive zu ändern. Ein gewisser Ethnozentrismus ist durchaus normal. Schließlich hat uns unsere Kultur von Kindesbeinen an begleitet und macht einen großen Teil dessen aus, was wir sind. Es ist nicht so leicht, da mal rauszuschlüpfen. Wenn wir es aber nicht tun, können wir Menschen anderer Kulturen niemals verstehen und uns entgeht eine ganze Menge. Im Prinzip gehört nur eine gewisse Sensibilität dazu und Offenheit für andere, sowie das Bewusstsein über die kulturelle Verschiedenheit. Ich habe mich vor kurzem mit eigenen meiner deutschen Kommilitonen hier vor Ort unterhalten und war erschrocken, wie wenig sie sich der Tatsache bewusst waren, sich hier in einer anderen Kultur zu bewegen. Das Problem ist, dass Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien auf den ersten Blick weniger ins Auge fallen als zwischen... sagen wir Deutschland und China. Oberflächlich gesehen erscheinen uns die kulturellen Unterschiede in Europa vielleicht eher nebensächlich. Das verleitet noch mehr dazu, alles, was man sieht, durch seine kulturelle Brille zu sehen. Ein gängiges Stereotyp über Spanier ist, dass sie faul seien und sich eher für Fiesta als für die Arbeit interessieren würden. In einem meiner hiesigen Seminare mussten wir alle eine Präsentation halten. Obwohl der Professor uns nach jeder Präsentation um Anmerkungen oder Fragen zum Vortrag bat, meldete sich nie einer meiner spanischen Kommilitonen zu Wort. Wäre ich mit der oben beschriebenen Grundhaltung in das Seminar gegangen, hätte ich dieses Verhalten für Desinteresse gehalten. In einer deutschen Vorlesung wäre der Vortrag bereits dreimal gründlich durchdiskutiert worden. Der springende Punkt jedoch ist, dass Spanier keineswegs faul oder desinteressiert sind. Vielmehr ist es in Spanien sehr wichtig, Gesicht zu wahren und Gesicht zu geben. Man kritisiert nicht offen, schon gar nicht einen Vortrag vor versammelter Mannschaft. Das ist in Deutschland normal, in Spanien gehört es sich nicht. Wenn man solche Dinge nicht weiß und vor allem nicht einmal in Erwägung zieht, sondern gleich nach seinen eigenen Maßstäben bewertet, ist klar, dass einem Unterschiede vielleicht auch gar nicht erst auffallen, wie meinen deutschen Kommilitonen. Ich finde es schade, zu wissen, dass unsere zukünftigen Lehrer (denn es waren allesamt Lehramtsstudenten) wahrscheinlich nicht in der Lage sein werden, unseren Kindern ein Bewusstsein für verschiedene Perspektiven mitzugeben.
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