Mein Paris

Veröffentlicht auf von Jessica Haß



















Nein, Paris ist keine spanische Stadt, das habt Ihr haarscharf erkannt. Aber da Martin und ich letzte Woche in Paris waren, dachte ich, es wäre doch eine kleine Notiz wert.
Im Internet hatte Martin vor einigen Wochen herausgefunden, dass Ludovico Einaudi am 6., 7. und 8. November in Paris spielen würde und war so traurig, dass er nicht dabei sein könnte, dass ich beschloss, ihm den Trip zum Geburtstag zu schenken. Der ist zwar erst am 9.12., aber na ja: dann eben vorträglich.
Letzten Mittwoch versuchten wir, möglichst viel vorzuschlafen. Denn in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mussten wir um 1:30 Uhr aufstehen, um den Bus nach Madrid um 3:15 Uhr zu kriegen. Spanien verfügt übrigens über ein ausgezeichnetes Busnetz, das die größeren Städte miteinander verbindet. Der Bus nach Madrid fährt zweieinhalb Stunden, wofür man um die 16 Euro zahlt (pro Strecke und Person). Vom Flughafen Barajas in Madrid kann man dann mit Easyjet sehr günstig in andere europäische Städte kommen, so auch nach Paris.
Am Vormittag kamen wir in Paris an und ich hatte bis zum Abend Zeit, Martin ein wenig von der Stadt zu zeigen, denn er war zuvor noch nicht da gewesen. Ein Tag ist natürlich nicht gerade viel und so mussten wir auf den Louvre-Besuch verzichten. Aber immerhin konnten wir Paris etwas zu Fuß und Metro erkunden. Martin kennt jetzt Montmartre und Sacré-Coeur, die Champs-Élysées, den Arc de Triomphe, den Eiffel-Turm (den zu erklimmen sich nicht gelohnt hätte - es war so neblig, dass man die Spitze nicht erkennen konnte), Notre-Dame, das Studentenviertel und den Louvre immerhin von außen. Nachts nach dem Konzert haben wir uns noch die Pyramide angesehen. Nachmittags trafen wir uns mit meiner französischen Bekannten Marie auf einen Kaffee. Obwohl ich im Allgemeinen ziemlich gut Französisch spreche, musste ich leider die Erfahrung machen, dass zur Zeit nur Spanisch aus meinem Munde kommt. Ich verstehe zwar nach wie vor alles, aber ich brauche wohl in Zukunft erst wieder etwas Abstand zum Spanischen, um meinem Sprachzentrum wieder einige französische Wörter zu entringen. Mit Englisch geht es, aber Spanisch und Französisch sind einander einfach zu ähnlich, auch von der Sprachmelodie. Manchmal merkt man nicht einmal, dass man ein spanisches Wort in den französischen Satz einbaut. Wie dem auch sei - Marie ist vor kurzem nach einem einjährigen Erasmus-Aufenthalt in Marburg zurückgekehrt und spricht jetzt hervorragend Deutsch. Und Martin kein Französisch. Also führten wir die Unterhaltung einfach auf Deutsch.
Nach anderthalb Stunden mussten wir dann zum Konzert aufbrechen. Ludovico Einaudi ist übrigens ein italienischer Pianist und Komponist und zumindest unter Klassikliebhabern in Deutschland recht bekannt, da er sehr stark von Klassik-Radio gefeatured wird. Entsprechend kosten die Karten dort auch ein Vielfaches von dem, was sie in Frankreich kosten. Wir waren ein unerwartet kleiner Kreis mit gerade einmal 140 Zuhörern. Aufgrund der intimen Atmosphäre hatte dann Martin aber noch die Möglichkeit, persönlich mit seinem Idol zu sprechen und das erste Autogramm zu ergattern.
Nach dem Konzert aßen wir dann unseren ungefähr 100. Crèpe an diesem Tag und liefen noch einige Stunden weiter durch die Stadt, bis wir uns gegen 4 Uhr morgens völlig entkräftet am Flughafen Charles-de-Gaulles einfanden, wo wir nach ca. 48 Stunden Schlaflosigkeit noch 2 Stunden auf der Bank dösten. Auf dem Flug nach Madrid und im Bus nach Burgos schliefen wir weiter. Am frühen Freitag Nachmittag waren wir wieder zu Hause, gingen ins Bett, schliefen bis 23 Uhr. Wir standen auf, machten uns etwas zu essen und gingen gegen Mitternacht wieder ins Bett, um am nächsten Tag wieder bis 14 Uhr zu schlafen. Soviel auf einmal haben wir in unserem ganzen Leben nicht geschlafen! Aber ich war auch noch nie so lange hintereinander wach wie auf unserer kleinen Weltreise. Nach ein paar Tagen waren wir jedenfalls wieder regeneriert.
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